Neuguinea

Eine 9-monatige Abenteuerreise nach Neuguinea hat bei mir als Arzt und Mensch tiefe, bleibende Eindrücke hinterlassen. Deshalb ist es mir ein Anliegen, Sie hier kurz über dieses weitgehend unbekannte Stück Erde zu informieren.

Neuguinea ist nach Grönland die zweitgrößte Insel der Welt. Die östliche Hälfte ist ein selbständiger Staat: Papua Neuguinea, die westliche Hälfte ist indonesische Provinz, gennnant West Irian. Zivilisatorisch ist diese noch weit rückständiger als Papua Neuguinea. Vor allem im Hochland und an der Südküste, die von dichten Mangrovensumpfwäldern bewachsen ist, welche bis zu mehrere hundert Kilometer breit sind, leben nach wie vor Völker, die so gut wie keinen Kontakt zur Zivilsation hatten.

Die gesamte Insel ist sehr gebirgig und von nahezu undurchdringlichem Dschungel bewachsen. Die Tier- und Pflanzenwelt sind traumhaft schön, wie bereits der Name der Paradiesvögel andeutet. die Artenvielfalt ist ungeheuer. Dieses Land ist, so behaupte ich, eines der letzten Naturparadiese dieser Erde. Der Reichtum an Bodenschätzen und Tropenhölzern weckt jedoch wirtschaftliche Interessen. So betreibt der US-Konzern Freeport McMoran eine der weltweit größten Kupferminen im Tagebau und verursacht damit eine gigantische Umweltkatastrophe.

freundliche "Steinzeitmenschen", mit Pfeil und Bogen bewaffnet

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Kultur

 

Die indigenen Ureinwohner werden als Papuas bezeichnet und gehören der melanesischen Rasse an. Sie sind kleinwüchsig, gedrungen und haben krauses Haar (Papua=indonesisch Kraushaar), welches einen augenfälligen Unterschied zu den malaiischstämmigen Zuwanderern von der Zentralinsel Indonesiens, Java, bildet. Ein Faszinosum ist die einmalige Sprachvielfalt des Landes. Ungefähr ein Drittel aller weltweit gesprochenen Sprachen findet man allein in Neuguinea! Darunter befinden sich eigenständige Sprachen, welche teilweise nur von winzigen Dorfgemeinschaften von 200 Menschen gesprochen werden. Die dazu gehörigen Volkslieder übrigens sind wunderschön. Es liegt auf der Hand, daß diese kulturelle Vielfalt dem Untergang geweiht ist. Die Ureinwohner befinden sich infolge politisch geförderter Einwanderung zwischenzeitlich längst in der Minderheit. Zunehmender Kontakt mit der Außenwelt bedroht diese Kultur. Wie die Indianer sind die Papuas gegenüber Alkohol nur gering tolerant. Auch deshalb ist zu erwarten, daß ihr Weg der gleiche sein wird.

Die Männer tragen traditionell Peniskalebassen, genannt Koteka, die mit einer Schnur fixiert sind. Der Körper wird oftmals mit Schweinefett bestrichen und mit Asche oder Naturfarben bemalt. Man wäscht sich über Jahre nicht. Entsprechend ist die Geruchsnote. Fällt man ins Wasser, so ist dies eine Katastrophe - man verliert seine individuelle "Note".

Die Frauen tragen neben einem Bastrock ein aus Pflanzenfasern geflochtenes Netz über der Stirn, welches sowohl Kleidungsstück, alsauch Transportwerkzeug ist. Sie sind zuständig für Ackerbau und Ernte. In den Netzen werden ohne weiteres Kinder zusammen mit Ferkeln, Steinbeilen und Feldfrüchten transportiert.

Die Kinder sind mit einer Schnur um den Bauch durchaus adrett gesellschaftsfähig bekleidet. Man sieht hier aber auch gleich ein Ernährungsproblem: den Hungerbauch als Ausdruck von Eiweismangel. Die Ernährung besteht weit überwiegend aus Süßkartoffeln und Bananen und enthält so gut wie kein Eiweis. Auch ich hatte darunter zu leiden in Form von Tropengeschwüren, die sich bereits nach 4 Wochen entwickelten, da selbst kleine Wunden nicht mehr heilten.

Man sieht hier 2 Männerhäuser, die als Rundhütten konzipiert sind. Frauen und Kinder haben keinen Zutritt. Im Zentrum brennt ständig Feuer, einen Rauchabzug gibt es nicht. Entsprechend "dick" ist die Luft im Inneren. Vorteil: weniger Flöhe. Bei Einbruch der Dunkelheit versammelt man sich im Inneren, erzählt, brät Süßkartoffeln. Zum Schlafen kuschelt man sich aneinander, der Wärme wegen.

Die Frauenhäuser weisen eine längliche Form auf. Hier leben Frauen und Kinder

Kunstvoll verzierte Kanu an der Küste des Paradiesvogelgolfes

Kannibalismus

 

Nachdem West-Irian 1963 unter indonesische Verwaltung kam, wurde Kannibalismus formell verboten. Bis ca. 1950 gibt es mehrere Berichte aus entlegenen Regionen, in denen Kannibalismus geschildert wird, die jedoch durchgehend auf Erzählungen und nicht auf tatsächlicher Augenzeugenschaft beruhen. Neue Nahrung erhielten diese Gerüchte 1961, als Michael Rockefeller, Sohn des US-Vizepräsidenten, auf einer Expedition im Süden des Landes spurlos verschwand. Ein Unfall, eine Krankheit, ein Krokodil sind jedoch weitaus wahrscheinlicher für diese Tragödie verantwortlich zu machen.

Medizin

 

Für einen deutschen Arzt ist es eindrucksvoll und lehrreich, Erkrankungen zu erleben, die er normalerweise nur aus dem Buch kennt. Im Vordergrund stehen dabei Tuberkulose, Malaria, Tetanus, eine Fülle von Mangelerkrankungen und verschleppten Krankheitsbildern, die bei uns eine Rarität darstellen. Im Alltag gilt es, dieses und die Dinge des Lebens, wie Verletzungen, Verbrennungen, Geburten usw. mit einfachen Mitteln zu bewältigen.